Filmfassung, Folge 1–2

  • Folge 1 (44 Min.)
    Es ist das eine, das alle Menschen verbindet. Wir alle sind dadurch entstanden. Trotzdem reden wir normalerweise nicht so offen darüber. Für manche ist es völlig normal, für andere ein großes Tabu. Wie läuft Sex in den verschiedenen Ländern der Welt? Eine Reise durch verschiedene Kontinente: Wie funktionieren Liebe, Heiraten, sich selbst verwirklichen? In China wird das traditionelle Rollen- und Familienmodell groß geschrieben. Aber was, wenn man anders liebt? Yuze Ma führt ein Doppelleben. Der Student aus Shanghai ist homosexuell, aber dies offen zu leben, traut er sich nicht. Zu groß ist der Druck in der Gesellschaft.
    Immer wieder sucht der 21-Jährige nach Möglichkeiten, er selbst zu sein, wie bei einem Auftritt in einer Drag Queen Show. Auf Verständnis seiner Familie kann er nicht setzen. „Wenn Sie mich in meinem Kostüm sehen würden, dann würde ich einfach behaupten, das bin ich nicht“, so Yuze Ma. Nancy Ortiz aus Mexiko hingegen würde alles dafür tun, dass sich ihre Tochter selbst verwirklichen kann. Die alleinerziehende Mutter hat einen anderen Lebensweg gewählt als den, den sich ihre Eltern gewünscht haben. Emanzipiert, jenseits der Traditionen, als studierte Juristin.
    „Mein Vater denkt, ich hätte an der Uni mit 200 Männern geschlafen. Er sagte mir, ich sei nichts mehr wert“, so Nancy. Dabei zeigt das Beispiel ihrer Tante Adelaida, dass eine Hochzeit auch nicht immer alles besser macht. Adelaida wird, wie so viele andere Frauen auch in Mexiko, von ihrem Mann betrogen. Er hat eine Zweitfrau und mit ihr auch Kinder, wollte sogar, dass Adelaida die kennenlernt. Das „große“ und das „kleine“ Haus, nennen sie das in Mexiko. Das Rollenverständnis dahinter: Der Mann als Macho, Frauenheld und Ernährer. Doch nicht alle finden das heute noch richtig so, wie zum Beispiel Jaime Sainz, Bauleiter aus Mexiko-City.
    Er sagt, er war der klassische Macho, hat seine Frau betrogen und sich mit Nachbarn geprügelt. Heute macht er eine „Macho-Therapie“, versucht mit Hilfe von Therapeut Ricardo Ayllon wegzukommen von dem alten Rollenbild, das noch in so vielen Köpfen in Mexiko vorherrscht. Itzakh Ravitz und seine Frau Rivka wiederum versuchen möglichst alles genauso zu machen wie ihre Vorfahren. Sie sind ultraorthodoxe Juden und leben nach strengen Regeln, die gelten auch im Liebesleben. „Mir reichte beim ersten Treffen eine Viertelsekunde, um zu wissen, dass wir uns verloben“, sagt Itzakh Ravitz.
    Die beiden wurden von einer Heiratsvermittlerin einander vorgestellt, nach dem vierten Treffen hat auch Rivka der Verlobung zugestimmt. Mittlerweile sind sie seit 25 Jahren verheiratet und haben zwölf Kinder – im Alter zwischen 25 und zwei. Und die Familienplanung ist nicht abgeschlossen. „Gott plant mein Leben, ich nehme jedes Geschenk mit Freude an, das er mir geben will“, erklärt Rivka. Diese Story erzählt von der Liebe und der sexuellen Selbstfindung auf unterschiedlichen Kontinenten im Spannungsfeld zwischen Traditionen und dem Mut zu Veränderung. (Text: WDR)
    Deutsche TV-PremiereMi 23.02.2022WDR
  • Folge 2 (44 Min.)
    Man trifft sich. Man verliebt sich. Man kommt zusammen. Und dann? Überall auf der Welt stehen junge Paare vor der gleichen Frage: Wann gehen sie das erste Mal miteinander ins Bett? Direkt in der ersten Nacht? Oder lieber Warten bis zur Hochzeit? Wie offen gehen die verschiedenen Kulturen mit dem Thema „erstes Mal“ und Sex um – und wann und wie findet Aufklärung statt? Eine Reise durch verschiedene Kontinente.
    In Mexiko sind Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit normal. Doch die 20-jährige Jenifer Uriarte und der 30-jährige Daniel Acuña haben trotzdem ein Problem: Sie lieben sich und sind ein Paar. Aber beide leben noch bei ihren Eltern. Das ist in Mexiko so üblich. Und sie können und wollen nicht beieinander übernachten.
    „Wir sitzen im Wohnzimmer und schauen uns einen Film an und plötzlich höre ich vom Zimmer meiner Mutter keinen Mucks mehr, dann merke ich, dass sie ihren Fernseher leiser stellt, um zu hören, was wir tun“, so Daniel. Außerdem sei es eine Frage von Respekt den Eltern gegenüber, ergänzt Jenifer.
    Die Lösung für Mexikos junge Paare? Liebeshotels. Die gibt es in allen Preisklassen – und massenhaft. Diskrete Garageneinfahrt und Zimmerservice, bei dem man auch Sexspielzeug bestellen kann, inklusive.
    Die einen wollen, können aber nicht – die anderen könnten, wollen aber nicht. Für die 24-jährigen Niederländer Anne-Will und Riekelt ist klar: Obwohl die beiden seit acht Jahren ein Paar sind, wollen sie mit ihrem ersten Mal warten, bis sie verheiratet sind. Beide leben in Urk -im so genannten niederländischen Bibelgürtel. Glaube und Tradition werden hier hochgehalten. Bis zur Hochzeit bauen beide an ihrem neuen Haus. Für diesen scheinbar altmodischen Lebensstil werden die Urker oft belächelt. Riekelt sieht das ganz entspannt: „Das ist eben unsere Lebensweise und was andere tun, ist ihr Ding. Das muss jeder selbst wissen.“
    Die ehemalige Lehrerin Olga Schogolewa aus Sankt Petersburg kann „ihr Ding“ nicht machen. Sie betreibt einen Aufklärungs-Blog für Erwachsene, weil ihrer Meinung nach das Thema Aufklärung in Russland viel zu kurz kommt. In der Schule findet es so gut wie gar nicht statt. Wegen ihres Blogs wurde sie gefeuert – konservative Eltern hatten sich über sie beschwert.
    Irina Wolynets aus Kasan ist Vorsitzende des nationalen Elternkomitees, einer konservativen Organisation. Sie findet, Aufklärung habe nichts in der Schule zu suchen. Ihre Angst: Wenn Kinder aufgeklärt werden, mache sie das erst recht neugierig auf Sex. „Dann ist das, als würde man eine Plombe von einem Mechanismus abziehen, der dann losgeht. Und das kann zu früh sein für das Kind, so dass es aufhört, sich normal zu entwickeln.“
    In Shenzhen in China hat das Ehepaar Zhan einen Termin bei einer Sexualtherapeutin. Sie ist bei der Geburt ihres ersten Kindes fast verblutet, man musste ihre Gebärmutter entfernen. Seitdem fühlt sich Yan Jinying nicht mehr als richtige Frau – und das Sexleben der Eheleute kam komplett zum Erliegen. Bei der Sexualtherapeutin sollen die beiden nun lernen, wieder zueinander zu finden und ihre Leidenschaft zueinander neu zu entfachen – ein Workshop zum Thema Sextoys inklusive.
    „Liebe, Sex, Tabu …“ erzählt davon, wann und wo Paare ihr erstes Mal erleben können und wollen, wie sie es dabei schaffen, angestaubte Traditionen zu umgehen und wie die verschiedenen Kulturen mit Aufklärung umgehen. (Text: WDR)
    Deutsche TV-PremiereMi 27.04.2022WDR
    TV-Premiere ursprünglich für den 13.04.2022 angekündigt

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